Nach drei Jahren ohne Konzert und gemeinsames Ziel nutzte der Musikverein Harmonie Hördt eine Förderung durch das Förderprogramm Impuls, um aus einer lang gehegten Projektidee eine große Werbeaktion für den Verein zu machen. Das Konzept ging auf: Mit mitreißender Musik, Magie und Zauberei gelang es, die Nachwuchsarbeit zu stärken und ein neues Konzertpublikum zu erschließen.

„Klar, machen wir mal“, lautete die Antwort von Dirigent Matthias Wolf auf die Idee einer Musikerin, ein Konzert gemeinsam mit einem Zauberer aus der Region zu realisieren. Jahre später, beim Überfliegen der Ausschreibung für das IMPULS-Förderprogramm, fiel ihm die Idee wieder ein. Gerade zur rechten Zeit. Bot sie doch nicht nur die Chance, nach drei Jahren ohne Konzert die Musiker:innen des Vereins auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, das  Vereinsleben „wieder anzukurbeln“ und die Ausfälle aus den Pandemiejahren wettzumachen. Denn wie vielerorts hat auch der Musikverein Hördt in der  Pandemie Kinder, Jugendliche und erwachsene Musiker:innen verloren. „Und aufgrund der ausgefallenen Präsenztermine konnten wir kaum neue Aktive gewinnen“, berichtet Wolf. „In unserem kleinen Ort im ländlichen Raum haben wir es ohnehin besonders schwer, neue Mitglieder für unseren Verein zu begeistern.“ Das Förderprojekt bot dem Musikverein die Gelegenheit, aus dem breiten, vor allem sportlichen Vereinsangebot in Hördt herauszustechen und den Kindern und Erwachsenen ein ganz besonderes Spektakel zu bieten: ein wahrhaft magisches Konzert. Genau das schrieb der Musikverein Hördt in den Projektantrag und bekam den Zuschlag. „Dass wir die Förderung bekommen haben, war extrem wichtig. Ohne sie wären die finanziellen Herausforderungen  und das Risiko zu groß gewesen“, sagte Wolf. Denn bei einem Konzert allein sollte es ja nicht bleiben. Das Projektteam wollte die Veranstaltung zur großen  Werbeaktion für den Verein ausbauen. So wollte der Verein mit dem Projekt neue Zielgruppen ansprechen und sich ein neues Konzertpublikum erschließen. Gleichzeitig wollte er die Jugendlichen aus dem Verein in das Projekt einbeziehen und – indem sie Verantwortung übernehmen – , stärker in den Verein einbinden. Und nicht zuletzt sollte das Projekt die Nachwuchsarbeit des Vereins stärken. „Uns ging es um die Komponente Nachhaltigkeit“, betonte der musikalische Leiter der Harmonie Hördt, Matthias Wolf. Aus diesen Anforderungen entwickelte der Verein unter der künstlerischen Projektleitung von Julia Wolf gemeinsam mit dem regional und überregional bekannten Zauberer Alexander Mabros das Konzept eines Aktionstages.

Große Werbeaktion für den Musikverein

Unter dem Motto „Musik und Magie“ sollte er ein Programm für alle Generationen bieten, das an einem Tag sowohl ein Konzert für Kinder mit anschließender Instrumentenvorstellung als  auch eine Abendveranstaltung für Erwachsene umfasste. Weil das Vorhaben als Open-Air-Veranstaltung geplant war und Licht und Ton für die Inszenierung der Zaubertricks zudem unerlässlich waren, mussten Licht- und Tontechnik angeschafft werden. Dank der Förderung war diese Anschaffung auch möglich. Als  Investition für die Zukunft suchte der technikaffine Jugendleiter Adrian Rüdiger gezielt Technik aus, die nicht nur outdoor-tauglich, sondern für die verschiedensten Situationen nutzbar ist. „Für uns war das eine komplett neue Situation, mit so viel Technik zu arbeiten“, wusste Matthias Wolf, „aber für die Zaubershow war sie eben ein entscheidender Gelingfaktor,“ ergänzte Julia Wolf. Das war auch Adrian Rüdiger bewusst, der die detaillierte Abstimmung der Licht- und Tontechnik mit dem Zauberer übernommen hatte und dadurch am Aktionstag gleich mehrfach gefordert war: Als Jugendverantwortlicher, Ton- und Lichttechniker und Musiker in Personalunion war er überall zu finden und sprang insbesondere am Abend zwischen dem Technikpult und seinem Platz im Orchester hin und her. Doch der Reihe nach. Nach langer Vorbereitung und intensiver Werbung war es an einem Samstag Ende September endlich so weit.  Pünktlich um 16:30 Uhr startete der Aktionstag des Musikvereins Harmonie Hördt mit dem Familienkonzert. Dass das unsichere Wetter dann doch den Umzug vom Schulhof in die Halle notwendig machte, tat der Sache keinen Abbruch. Alle Plätze dort waren besetzt, als der Musikverein Harmonie unter der Leitung von Matthias Wolf mit zauberhafter Musik aus den Harry Potter-Filmen auf den magischen Nachmittag einstimmte, bei dem es vor allem um eines ging: die magische Kraft der Musik. Denn bei den Zaubertricks von Alexander Mabros gingen Musik und Zauberkunst eine enge Allianz ein, um die Kinder für Musik zu  begeistern und ihnen einen Eindruck vom Klang der Instrumente zu vermitteln. Denn es waren nicht die Zaubersprüche, die den Zauber auslösten und unterstrichen, was passierte, sondern musikalische Signale einzelner Instrumentengruppen. Wie etwa beim Zaubertrick mit dem Wasserglas: Auf die Signale der Instrumente hin war das Wasser mal im Glas, mal weg, mal schwerelos, mal fest und am Ende – Hokus Pokus Fidibus – wieder flüssig. Natürlich blieb es nicht bei diesem einen Zaubertrick und genauso selbstverständlich erklang mit „Wizard of Oz“ und „König der Löwen“ noch mehr Musik. Das Prinzip war dabei immer dasselbe: Im Laufe eines Zaubertricks lernten die Kinder die verschiedenen Instrumente und ihren Klang kennen. Im Anschluss an das Konzert konnten die Kinder eine Instrumentenvorstellung besuchen und unter Anleitung der Jungmusiker:innen die Instrumente direkt ausprobieren. Und ganz viele Kinder, vom Kindergarten- bis Grundschulkind, machten von dem Angebot Gebrauch. „Es war sehr, sehr viel los!“, erinnerte sich Adrian Rüdiger. Positiv fand er, dass die Eltern dabei waren und „sehen konnten, was wir als Verein machen“. Der Musikverein hatte zwar Informationsmaterial über die Möglichkeiten der Instrumentalausbildung ausgelegt, grundsätzlich aber war die Instrumentenvorstellung, wie Adrian Rüdiger erklärte, „nicht konkret auf einen  Ausbildungsbeginn hin, sondern in die Zukunft gedacht“. „Wir hatten ja auch die Kindergartenkinder eingeladen, die im Moment noch zu jung sind, um mit einem Instrument zu beginnen.“ Dass das magische Konzert bei allen Kindern einen bleibenden Eindruck hinterlassen und Interesse an der Musik geweckt hat, daran ließen die strahlenden Kinderaugen, die vor Staunen offenstehenden Münder, der Eifer und die Geduld beim Ausprobieren der Instrumente keinen Zweifel.

Mit Magie das Interesse an der Musik geweckt

Von der Musik und Alexander Mabros verzaubern ließ sich gerne auch das Publikum der Abendveranstaltung. Das Blasorchester des Musikvereins hatte ein passendes musikalisches Programm aus Filmmusik und Musical und Alexander Mabros eine verblüffende und unterhaltsame Zaubershow vorbereitet. „Am Nachmittag hat die Zauberei die Instrumente inszeniert, am Abend ging es im Wechsel mit der Musik um die Tricks an sich, wie bei einem Varieté“, erklärte Matthias Wolf. Einen gemeinsamen Trick, in den auch das Publikum miteinbezogen war, gab es aber dennoch. Auch die klassischen „Mystic Elements“ rund um die Elemente Wasser, Feuer und Luft durften selbstverständlich nicht fehlen. Da wurde Feuer gespuckt und geschluckt, Kaputtes wieder zusammengefügt, Verschwundenes wieder hervorgezaubert. „Das war eine tolle Sache“, waren sich Publikum und Akteure hinterher einig. Vereinsvorsitzender Wolfgang Eßwein hofft, dass der Aktionstag bei den Kindern und Erwachsenen noch lange in Erinnerung bleiben wird, weiß aber auch, dass der Musikverein  Hördt für einen nachhaltigen Erfolg „dranbleiben muss“. Zum Wiederankurbeln der Nachwuchsarbeit und für eine neue Wahrnehmung der Vereinsarbeit im Ort, war das Projekt Magic Circus aber genau der richtige Impuls. Und auch dem Orchester hat es gutgetan, nach der langen Pandemiepause und mehreren vergeblichen Anläufen zu einem Konzert endlich wieder für ein spannendes Projekt gemeinsam an einem Strang zu ziehen. „Am Ende waren die Musizierenden glücklich und stolz, dass die Veranstaltung so gut angenommen wurde“, freut sich Adrian Rüdiger. „Das war etwas Besonderes und offensichtlich genau das  richtige Mittel, um als Verein gestärkt aus der Krise in die Zukunft zu blicken.“

Text: Martina Faller / Fotos: Gregor Löhr