Die drei Programmlinien des BDB MusikRaumAkustik, ZukunftVerein und music4beginners sind Reaktionen auf aktuelle Bedürfnisse von Kulturvereinen. Sie bieten passgenaue Unterstützung, um die Spielfähigkeit von Orchestern und Chören zu erhalten und die Existenz von Vereinen zu sichern. Dass eine Professionalisierung der Vorstandsarbeit maßgeblich dazu beiträgt, Vereine fit zu machen für die Zukunft, ist der Kerngedanke der Initiative ZukunftVerein. Aus ihr ist der erste BDB-Zukunftsdialog hervorgegangen, der im November  2022 mit großem Erfolg in Bad Krozingen stattfand. 

Die Corona-Pandemie hat nochmals verschärft, was sich davor schon deutlich abzeichnete: Die gesellschaftlichen Herausforderungen werden immer größer, die Lebenswirklichkeiten immer komplexer und die Aufgaben für Vereine immer vielfältiger. Die Qualifizierung von Verantwortlichen und die Professionalisierung
eines Vereins können deshalb entscheidend sein für die Zukunftsfähigkeit eines Vereins. Denn die Leitung eines Vereins ist inzwischen durchaus mit der Führung eines mittelständischen Unternehmens vergleichbar. Zu den Methodenkompetenzen von ehrenamtlichen Vereinsakteuren zählen u. a. Rechtsvorschriften, Finanzen und Steuern, aber auch Projektmanagement, Leitbildentwicklung, Mitgliedergewinnung und -motivation und interne/externe Kommunikation, um nur einige zu nennen. Zu den tiefgreifenden Wandlungsprozessen der modernen Gesellschaft treten mit den gegenwärtigen Krisen neue Herausforderungen, die die Kulturvereine in einem nie da gewesenen Maß schwächen: Neben erschwerter Nachwuchsarbeit, eingeschränktem Proben- und Konzertbetrieb und Themen wie Datenschutz-Grundverordnung, Infektionsschutzmaßnahmen und kaum erfüllbaren Sicherheitsauflagen sind es vor allem wachsende finanzielle Nöte, die das Vereinswesen existenziell gefährden. Nur durch die Professionalisierung der Vereinsführung auf allen Ebenen kann dieser Entwicklung Einhalt geboten werden. Neue Herausforderungen bedürfen jedoch neuer, passgenauer Antworten und innovativer, für Ehrenamtliche gut  umsetzbarer Instrumente. Hier sind im Sinne eines „Change-Managements“ für Vereine grundlegend neue Konzepte gefragt. Bei der Entwicklung von ZukunftVerein wurde dementsprechend von Beginn an auf ein digitales Angebot gesetzt und Erfahrungen genutzt, die man in der BDB-Musikakademie schon im Zusammenhang mit anderen Projekten gewonnen hat. Auch die Erfahrungen mit dem bereits 2019 installierten Hilfsangebot www.notruf-verein.de sind in die Entwicklung von ZukunftVerein eingeflossen. Wie bei MusikRaumAkustik, ist auch bei ZukunftVerein die Verbindung von beruflicher und persönlicher Erfahrung ein begünstigender Faktor: Mit Michael Schönstein, Marketing-Experte, Musiker und Dirigent der Orchestergemeinschaft Seepark/Freiburg, trägt ein Experte das Bildungsprogramm, der nah an den Belangen der Vereine ist und dem die Stärkung des Vereinswesens und des Ehrenamts durch moderne und professionelle Beratung ein besonderes Anliegen ist. Durch die Förderung der Programmlinie durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst
konnte Michael Schönstein dieses Anliegen in die Tat umsetzen und für die Kulturvereine in Baden-Württemberg ein zeitgemäßes Weiterbildungsprogramm rund um das Thema Vereinsführung etablieren.

Grundlegend neue Konzepte für das Change-Management der Vereine

Es baut auf E-Learning, Live-Online-Trainings und andere digitale Lernformate und ermöglicht so eine flexible und barrierefreie Weiterbildung und eine gute Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Ehrenamt. Vorstandsmitglieder und alle, die ihren Verein unterstützen und in eine gute Zukunft führen wollen, haben seit Start des Programms im vergangenen Juni Zugang zu vielfältigen Lerninhalten und Lernmodulen, die – dank der Kooperation mit dem Anbieter „GoodHabitz“ – individuellen Bedürfnissen genauso gerecht werden wie den verschiedenen Lerntypen. Im Bereich E-Learning bietet das Programm ein umfangreiches Angebot zu vereinsspezifischen Themen wie z. B. Crowdfunding und Sponsoring, Projektmanagement, Mitgliedergewinnung, Finanzen. Live Online-Seminare und Praxistrainings ergänzen das Angebot. In den 90 Minuten umfassenden live Online-Seminaren bieten Experten Einblicke in vereinsspezifische Themen, stehen bei Fragen zur Verfügung und bieten Hilfe bei individuellen Problemstellungen. Wissen bleibt jedoch Theorie, wenn es nicht angewendet wird: Um Vereinsakteuren möglichst schnell wirksame Hilfen für ihre Vereine zu bieten, wird in den Praxistrainings, für die auch auf bereits bestehende Kursangebote der BDB Akademie zurückgegriffen wird, das Erlernte anhand bestimmter Anwendungsfälle umgesetzt – immer mit Unterstützung der Coaches und begleitet von Reflexionsphasen und Dokumentationen, um einen möglichst optimalen Lernerfolg zu gewährleisten. Bisher haben sich 37 Vereine um die Teilnahme am Bildungsprogramm ZukunftVerein beworben und den Zugang zu den Lernformaten erhalten. Durch deren Nutzung können die Vereine ein Qualitätssiegel erwerben, das die erfolgreiche Teilnahme an ZukunftVerein sichtbar nach innen und außen belegt. Das  Qualitätssiegel soll den teilnehmenden Verein stärken und weitere Vereine motivieren, erfolgreichen Beispielen zu folgen und an ZukunftVerein teilzunehmen. Das Qualitätssiegel als motivierendes und ermutigendes Signal für die Vereinswelt ist indes nicht die einzige Idee, die aus der Entwicklung von ZukunftVerein
heraus entstanden ist. Um gleichsam „auf einen Schlag“ mehr Verantwortliche aus Kulturvereinen zu erreichen und für ihre Vereinsarbeit zu stärken, wurde die Idee eines BDB-Zukunftsdialogs geboren. Er griff ein Thema auf, das allen Kulturvereinen gleichermaßen unter den Nägeln brennt: die Finanzierung. Diese wird zunehmend schwieriger. Schon lange reichen die Beiträge passiver Mitglieder nicht mehr aus, um Dirigent, Instrumente, Noten und die Ausbildung des Nachwuchses zu finanzieren. In den Pandemie-Jahren hat sich die finanzielle Situation vieler Vereine zusätzlich verschärft: Zwangspausen und der Ausfall von Konzerten und Veranstaltungen führten dazu, dass Einnahmen wegbrachen, oft bei gleichbleibenden Kosten. „Viele Vereine sind deshalb aktuell finanziell stark angeschlagen“, weiß Michael Schönstein. „Was sie jetzt brauchen, ist ein mutiger Blick in die Zukunft und viele neue Ideen, wie diese Situation aufgefangen und ins Positive gewendet werden kann.“ Und genau das wollte der BDB beim Zukunftsdialog vermitteln. Gemeinsam mit den eingeladenen Experten aus Wirtschaft, Politik und Kultur sollten verschiedene Themen einer modernen Vereinsfinanzierung beleuchtet und Crowdfunding, Fundraising, Sponsoring, die Steuerung mit Kennzahlen und Förderprogramme als Möglichkeiten der Finanzierung aufgezeigt werden.

„Die Situation der Vereine verbessern, einfacher und planbarer machen“

Am 27. November 2022 war es soweit. Unter dem Motto „Moderne Finanzierung für Kulturvereine“ fand im Kurhaus Bad Krozingen im Rahmen der vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst  geförderten Programmlinie ZukunftVerein (www.zukunftverein.de) der erste BDB-Zukunftsdialog statt. Über 120 Teilnehmende waren der Einladung gefolgt, um sich bei Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Finanzen, Kultur, Politik und Vereinswesen zu informieren und Antworten auf drängende Fragen der Vereinsfinanzierung zu erhalten. „Wir wollen nicht nur die Symptome bekämpfen, sondern die Situation der Vereine mittel- und langfristig verbessern und sie einfacher und planbarer machen“, umschrieb BDB-Präsident Patrick Rapp die Zielsetzung des Zukunftsdialogs. „Treten Sie mit uns und den Experten in den Dialog, legen Sie den Grundstein, um die Zukunft zu gestalten und machen Sie sich und Ihren Verein fit für die Zukunft“, lädt er die Teilnehmenden ein. Diese waren aus ganz Deutschland angereist und kamen aus allen Sparten der Amateurmusik. So waren neben zahlreichen Blasmusikvereinen auch Vertreter von
Chören, Streich- und Zupfensembles im Kurhaus vertreten. Das Expertenpodium war mit Staatssekretär Patrick Rapp, Kerem Sargut, Leiter Finanzen der Manos Holding AG, dem Gründer und Geschäftsführer von Fundmate.com, Dr. Benedikt Link, Dr. Petra Schneidewind, Leiterin Kontaktstudium Kulturmanagement der PH Ludwigsburg, Ralph Beck, BDBRechner, Michael Weber, Vize-Präsident BDB und BDMV, mit viel Kompetenz und Erfahrung besetzt. Moderiert wurde der Zukunftsdialog von Dr. Denise Burgert, ihres Zeichens Pressesprecherin des Ministeriums für Wirtschaft, Forschung und Kunst in Baden-Württemberg. Gekonnt zog sie den roten Faden durch die Veranstaltung und band die Gäste professionell und mit viel Charme in den Dialog ein. Mit der ans Podium gerichteten Frage „Was verstehen Sie unter moderner Finanzierung?“, stieg sie direkt ins Thema ein. Die Antworten der Expertinnen und Experten eröffneten die ganze Bandbreite des Themas und gaben einen ersten Überblick über die Möglichkeiten der modernen Vereinsfinanzierung. „Vereine sollten wie Unternehmen geführt werden“, meinte etwa Kerem Sargut. „Beim Controlling macht das in der Idee des Ganzen keinen Unterschied.“ Petra Schneidewind und Benedikt Link schlossen sich dem an. „Vereine und Institutionen sind letztlich auch Betriebe“, wusste Petra Schneidewind und Benedikt Link empfahl, „unternehmerische Denke in die Vereine einziehen zu lassen“.

„Es braucht Menschen, die das antreiben“

Entscheidend sind für Petra Schneidewind indes nicht nur die Finanzen. „Die Finanzen sind nur eine Perspektive. Es braucht auch die Menschen, die das antreiben und zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Kompetenzen mitbringen.“ Eine Voraussetzung etwa für die erfolgreiche Anwendung moderner Finanzinstrumente wie Controlling ist, dass die Vereine überhaupt eine Idee haben und eine langfristige Vision entwickeln. Der idealtypische Weg verläuft für sie folgendermaßen: „Ich habe ein Ziel, wie komme ich dahin und wer machts!“ Auch für Bundesrechner Ralph Beck sind Zahlen lediglich Hilfsmittel, die wichtige Erkenntnisse darüber liefern, welche Werkzeuge angewendet werden können. Ein solches sind für ihn auch Förderprogramme. Angesichts der Fülle an Programmen besteht die größte Herausforderung derzeit allerdings darin, zu wissen, welche Programme es überhaupt gibt. Auf der Webseite www.frag-amu.de gibt es hierzu einen Überblick. „Es gibt so viele Förderprogramme. Da ist es wichtig, dass Vereine  vorbereitet sind und immer ein Projekt in der Schublade haben, das man beantragen kann“, riet BDB-Vize-Präsident Michael Weber. Dass die bürokratischen  Hürden bei der Antragsstellung mitunter sehr hoch sind, dieser Hinweis kam nicht nur aus dem Plenum, das ist auch den Experten bewusst. „Hier gibt es noch viel zu tun. Wir sind aber auf dem Weg, das zu verbessern, Vorlagen für die Vereine und einheitliche, digitale Formulare zu entwickeln“, sagte Michael Weber. Als gutes Beispiel verwies er auf das Programm „Aufholen nach Corona“, das unbürokratisch und unkompliziert Vereinsaktivitäten förderte. Dass Finanzmittel mit Fundraising beschafft werden können und auch ein Produkt ein Fundraiser sein kann, diese Perspektive brachte Benedikt Link, Gründer von Fundmate, in die Diskussion ein. „So wie beim klassischen Kuchenverkauf der Kuchen ein Spendenkatalysator ist, so kann im Prinzip jedes andere Produkt zum Spendensammeln genutzt werden“. Diese Erkenntnis macht sich sein Start-up Fundmate zunutze (siehe blasmusik Ausgabe 12/22), das Vereinen, Schulklassen und Initiativen eine Produktpalette zum Spendensammeln an die Hand gibt. „Wir haben in unzähligen Projekten die Erfahrung gemacht, dass durch die Kundenansprache mit einem Produkt das Spendenvolumen erhöht wird“, berichtete Link.

Die Intention des BDB-Zukunftsdialogs ist aufgegangen

Diskutiert wurde darüber hinaus der Aktivenbeitrag, der in anderen Sparten schon längst selbstverständlich, in der Blasmusik aber immer noch „ein heißes Eisen“ ist. Im Anschluss an das Diskussionsforum wurden die verschiedenen Einzelaspekte in vier verschiedenen Fachforen näher beleuchtet (Lesen Sie dazu auch den Beitrag über Controlling)  und die dort erarbeiteten Ergebnisse im Abschlussplenum wieder zusammengeführt. Dass die Botschaft des BDB-Zukunftsdialogs ankam, das sprach deutlich aus der abschließenden Diskussion und aus der Teilnehmendenumfrage. So nimmt etwa ein Teilnehmer vom BDB Zukunftsdialog die Erkenntnis mit, dass es wichtig ist, „immer aktuell zu bleiben, keine Angst davor zu haben, neue Wege zu gehen“ und dass „viele Vereine mit denselben Herausforderungen kämpfen.“ Ein anderer formulierte sein persönliches Fazit folgendermaßen: „Meine Erkenntnis ist, dass auch in Vereinen in Zukunft betriebswirtschaftliche Vorgehensweisen anzuwenden sind, nicht 1 zu 1 aber in angepasster Form“. Andere fühlten sich durch den Zukunftsdialog in ihrem Tun bestätigt. „Wir sind im Bereich Controlling und Fördermöglichkeiten sehr gut aufgestellt, beim Fundraising haben wir Luft nach oben und interessante neue Möglichkeiten kennengelernt. Hier werden wir Neues ausprobieren“, betonte ein weiterer Teilnehmer. „Mit unserer Vereinsarbeit sind wir schon auf einem guten Weg. Der BDB-Zukunftsdialog hat mich motiviert, so weiterzumachen.“ Durch viele Äußerungen zieht sich die Einsicht, dass „es viel mehr Möglichkeiten gibt als gedacht“, dass „es sich lohnt, nach Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau zu halten“ und es wichtig ist, „regelmäßig zu netzwerken und sich zu informieren“. Die Intention des BDB ist damit vollständig aufgegangen. Mehr noch. Der Erfolg der Auftaktveranstaltung bestätigt die Verantwortlichen darin, die Idee einer Veranstaltungsreihe weiterzuverfolgen, die immer ein neues Thema in den Fokus rückt. Und die nächsten Themen zeichnen sich in der Teilnehmerbefragung schon ab: Dort stehen „Nachwuchsgewinnung, Mitgliederbindung, Vereinsrecht, Digitalisierung“ ganz oben auf der Wunschliste.

Die Ergebnisse aus dem BDB Zukunftsdialog sind zu finden auf https://www.bdb-akademie.com/zukunftsdialog/#ergebnisse

Martina Faller